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Meditation

Möglichkeiten und positive Aspekte

In den vielen verschiedenen Methoden von Gewahrseinstraining durch Meditation befassen wir uns sowohl mit dem Wahrnehmen von Gedanken und Emotionen als auch mit der vielem Leid zugrundeliegenden Vorstellung, ein von anderen getrenntes „Ich“ zu sein.

Ziel von Meditation ist nicht primär, glückliche Zustände zu erlangen. Mit Übung beginnen wir, größere Weite und mehr Gelassenheit, mentale Stabilität und Klarheit zu erfahren. Wir beginnen, die immerwährende Veränderung und Unbeständigkeit anzunehmen. Mit mehr Übung erleben wir Weite und Gelassenheit zunehmend als Teil unseres täglichen Erlebens.

Wir beginnen, trennende und urteilende Aspekte des Ich-Gefühls zu durchschauen, erlangen Einsicht in unsere Grundnatur, die alle Wahrnehmung ermöglicht und einschließt. Mit fortlaufenden Praxis führen uns Abschwächen einer trennenden „Ich-Wahrnehmung“ zu mehr Mitgefühl und Weisheit.

Wir entdecken, Bodhichitta, was gemeinhin als „Geist des Erwachens“ übersetzt wird. Bodhichitta umfaßt sowohl Verständnis vom Leben – den Ursachen von Freude und von Leid – als auch Mitgefühl mit sich und allen anderen lebenden Wesen. Stärken von Verständnis und Mitgefühl hilft uns freier, gelöster und mitfühlender zu sein.


Mögliche Risiken

Meditation heisst in erster Linie, wahrzunehmen und anzunehmen was ist. Falsch verstandenes meditatives Geistestraining kann dazu verleiten, innerpsychische Konflikte vermeiden zu wollen – in dem wir gewissermaßen versuchen, an diesen „vorbeizumeditieren“ oder versuchen, Konflikte „wegzumeditieren“ („spiritual bypassing“).

Meditation als Vermeidungsstrategie kann eine Ursache dafür sein, wenn wir trotz jahrelanger Praxis neurotische Grundmuster (z.B. Unsicherheit, Angst, Zwang, Ichbezogenheit, Überheblichkeit) nicht mildern konnten. Eine zusätzliche psychotherapeutische Begleitung kann helfen, Konflikte und Fixierungen zu erkennen, anzunehmen und dadurch abzumildern.

Falsch verstandenes oder falsch durchgeführtes meditatives Geistestraining kann, wenn keine ausreichende Stabilität vorhanden ist, zu Re-Traumatisierung und damit zu verstärkter Angst und Verunsicherung führen. Bei fehlender Stabilität können offene, freie Gewahrseinszustände nicht integriert und verarbeitet werden – schlimmstenfalls zu psychotischen Spaltungen führen. Diese Gefahren treten selten und in aller Regel nur in intensiveren, längeren retreats auf, wenn Praktizierende zuvor nicht psychisch gefestigt sind.

enso